Lederpflege

Gerade in unserem Hobby spielt Leder meist eine große Rolle: In Rüstungen, an Fellen oder auch am Schuhwerk ist häufig Leder zu finden. Selbst an Metallrüstungen findet man zumindest an den Riemen das Produkt Leder wieder. Damit man auch lange Freude an seiner Ausrüstung hat ist eine richtige Pflege und auch deren Lagerung sinnvoll und wichtig!


Was ist Leder überhaupt?

Woher Leder kommt kann in einer kurzen Aussage deutlich machen: Leder ist die (gegerbte) Haut des Tiere.

Bevor es nun aber fachlich wird sollte man noch mal schauen welches Leder wie bezeichnet wird. Denn Leder ist nicht gleich Leder.

Während das Spaltleder weitläufig bekannt ist gibt es für das stabilere „Narbenspalt“ oder „Oberspalt“ mehrere Begriffe: Oberleder, Rüstleder, Glattleder. Erkennbar ist dieses Narbenspalt daran das es an einer Seite Glatt ist, während es auf der anderen Seite rau ist, eben die typische Lederstruktur die wir kennen.

Der untere Spalt, welcher auf beiden Seiten rau ist, wird in der Gerberei als „Fleischspalt“ geführt. Allgemein ist es aber als Spaltleder bekannt. Dieses ist weniger Stabil als das Narbenspalt und entsprechend auch günstiger. Um diesen Bericht jedoch vereinfacht zu halten werde ich die Begriffe Oberleder für das hochwertige Narbenspalt und Spaltleder für das günstigere Fleischspalt nehmen.


Was zeichnet gutes Leder aus?

Gutes Leder erkennt man am typischen Ledergeruch. Hat man einen beißenden oder unangenehmen Geruch in der Nase wenn man am Leder riecht dann ist es womöglich günstig gegerbt und hat noch chemische Rückstände. Am besten ist es wenn man Leder nimmt was für den Orthopädischen Bereich geignet ist. Dieses ist manchmal zwar etwas teurer, aber es ist deutlich gesünder als Leder, welches noch chemische Rückstände drinnen hat. Und jetzt mal ehrlich: Wer will schon in einer Klamotte rum rennen welches gefährliche chemische Stoffe enthält die gesundheitsschädlich sind?

Also, einfach mal vor dem Kauf am Leder riechen und dem Veräufer auch fragen woher das Leder kommt und ob es für den Orthopädischen Einsatz geeignet ist.


Wieso gibt es Oberleder und Spaltleder, was ist Kunstleder?

Die Haut eines Tieres ist unterschiedlich dick. Besonders Rinder haben eine 5 bis 10mm dicke Haut. Auch ist die Haut nicht überall gleich dick. Trotzdem wollen wir als Endkunden möglichst eine gleiche Qualität der Lederhaut haben die überall gleich dick ist. Auch wollen wir nicht ein 10mm dickes Leder haben. Wobei.. eine Rüstung aus einem 10mm dicken Leder hätte schon was. Allerdings wäre eine solche Rüstung nur schwer tragbar weil das dicke Leder sich kaum bewegen oder verarbeiten ließe. So wird die Lederhaut je nach dicke ein oder mehrmals in der gesamten Fläche gespalten. So entsteht das Oberleder und das Spaltleder. Das Oberleder ist bedingt dadurch das es immer der Witterung und äußeren Einflüssen beim Tier ausgesetzt ist stabiler, jedoch auch oftmals voller Narben. Dadurch ist es jedoch auch Stabiler, ähnlich wie die Hornhaut beim Menschen. Das Spaltleder ist dann die untere Schicht vom Leder welche schneller reißen kann weil sie nicht so stabil ist. Dadurch ist dieses Spaltleder auch günstiger als das Oberleder. Gerade im Möbellederbereich wird häufig das Spaltleder beschichtet damit es so aussieht wie Oberleder. Dieses Leder wird auch „PU-Leder“ genannt weil es mit einem Kunststoff beschichtet ist. Charakteristisch für dieses Leder ist das sich Rüstungen welches aus diesem Leder bestehen beim Tragen nach einer weile in die einzelnen Schichten zerlegt. Auch Kunstleder -obwohl den Namen „Leder“ nicht verdient- ist komplett künstlich hergestelltes Leder welches aus mehrere Lagen Stoff und Kunststoff besteht und dadurch aussieht wie echtes Leder. Besonders häufig zu finden bei günstigen Gürteln. Nach einer weile zerfällt es in mehrere einzelne Schichten.


Hilfe, ich habe eine neue Lederrüstung, die ist aber total hart und steif!

Das neues Leder ist anfangs Steif und hart. Jeder der sich mal neue Lederstiefel oder eine neue Lederrüstung gekauft hat kennt das. Aber, es gibt ein Wundermittel womit man das Leder weich und geschmeidig bekommt: Tragen, tragen, tragen. Und zwischendurch natürlich entsprechend Pflegen. Wie das Einölen und Fetten geht sehr ihr weiter hinten in diesem Beitrag.

Das Leder wird durch das ständige Bewegen weich. Erst nach ein paar Tagen tragen ist es angenehm zu tragen. So wie Schuhe eingetragen werden müssen, so muss auch eine Lederrüstung eingetragen werden. Ein Freund von mir hat sich eine neue Lederrüstung gekauft. Diese war anfangs sehr steif und man konnte sie in die Ecke stellen. Nach 5 Tagen tragen konnte man sie nicht mehr hinstellen weil das Leder weich geworden ist.


Welches Leder denn nun für die LARP-Ausrüstung?

Welches Leder nun „das richtige“ für unsere Rüstungen und Ausrüstung ist hängt insbesondere vom Einsatzgebiet und der Belastung ab. Vereinfacht kann man sagen: Für alles wo größere mechanische Belastungen vorherrschen, zB. Riemen, ist das stabilere Oberleder die bessere Wahl. Es reißt nicht so schnell und durch die glatte Oberfläche rutscht es auch leider durch die Schnalle. Weiterhin ist es wegen der schöneren Optik ist es auch für Taschen und Schuhe besser geeignet.

Spaltleder hingegen ist gut als Bekleidungsleder und Trägermaterial für Lederrüstungen geeignet. Man kann darauf zum Beispiel Oberleder- oder Metallplatten nieten und sich so eine Brigantine bauen. Auch für Taschen ist das Spaltleder gut geeignet. Allerdings reißt es allgemein schneller als Oberleder. Dadurch das es so schnell reißt und auch rau ist eignet es sich nicht für alle Bereiche die mechanisch stark belastet sind, beispielsweise Riemen. Auch für Schuhe ist es nicht so gut geeignet weil es sich nicht so gut pflegen lässt sowie nicht so Wasserfest ist.


Wie pflege und lagere ich Leder richtig?

Wichtig ist zu wissen das Leder organisch ist. Organische Werkstoffe sind überwiegend Naturstoffe. Neben Leder fällt auch Holz und Kork in die Gruppe der organischen Werkstoffe. Jetzt jedoch genau zu erklären warum Metall kein organisches Material ist obwohl es auch aus der Natur kommt und was organisch im Detail bedeutet würde jedoch den Rahmen sprengen.

 

Jeder der seine Rüstung mal feucht eingelagert hat oder es an einem feuchten Ort lagert kennt das Problem: Man holt die Rüstung nach einigen Monaten wieder hervor und es ist schimmelig geworden. Respekt wer sich eine schimmelige Rüstung noch anziehen mag, gesundheitlich ist es jedenfalls extrem bedenklich. Da hilft eigentlich nur noch weg schmeißen, denn raus kriegt man den Schimmel nicht mehr.

Umso wichtiger ist es also seine Ausrüstung von anfang an so zu behandeln das es gar nicht erst schimmeln kann. Dazu sollte man es wenn das Leder feucht geworden ist gründlich durchtrocknen lassen. Oberleder kann mit einem weichen feuchten Lappen von verschmutzungen gereinigt werden bevor es trocknet. Anschließend sollte man es wieder neu ölen bzw. fetten. Feuchtigkeit und Sonne setzen dem Leder stark zu. Ähnlich wie bei der Haut braucht es also auch beim Leder entsprechend gute Pflege. Übrigens, auch Felle müssen regelmäßig gepflegt werden, denn dort gibt es schließlich auch eine Lederhaut!

Im Frühjahr, wenn man seine Ausrüstung wieder aus den Kisten heraus kramt, sollte man das Leder noch einmal einölen bzw. einfetten. Denn auch wenn es nur in den Kisten gelegen hat, so trocknet es auch dort und wird irgendwann rissig. Wenn man beispielsweise ein Fell über mehrere Jahre ohne Pflege einfach nur lagert dann sind die Haare komplett ausgefallen, das Leder steinhart und extrem rissig, Dann hilft auch kein Öl oder Fett mehr.


Die Qual der Wahl: Lederöl oder Lederfett?

…Oder gibt es da noch was anderes?

Nun hat man die Qual der Wahl. Womit pflege ich mein Leder am besten? Als erstes das wichtigste: Lasst die Finger von Olivenöl, Sonnenblumenöl oder ähnliches. Diese Öle enthalten nämlich zum einen Säure was das Leder angreift, zum anderen wird es nach einer weile ranzig und dann stinkt die ganze Rüstung, im schlimmsten Fall gibt es dann auch noch Schimmel im Leder.

Besser geeignet sind spezielle Lederöle und -Fette. Für Spaltleder, also das, was an beiden Seiten rau ist, eignet sich Lederöl am besten. Wichtig ist es das Leder nicht darin zu ertränken sondern es mithilfe eines alten Lappens oder Pinsel auf das Leder gleichmäßig aufzutragen. Je nach dicke des Leders und wie stark es belastet wurde braucht es mehr oder weniger Öl. Wichtig ist dass das Öl gut ins Leder einzieht und am ende keine feuchten Stellen zurück bleiben.

Für das Oberleder nehmt ihr für die glatte Oberfläche richtiges Lederfett. Dieses wird mithilfe eines weichen Schwamm einfach auf der Oberfläche dünn aufgetragen und schon zieht es ins Leder ein. Die Unterseite kann man -sofern möglich- mit Lederöl behandeln. Auch mit Lederfett gut behandeln kann man seine Lederstiefel. Hier sollte man nicht geizen und sorgfältig arbeiten. So sollte man auch die Falten an der Zunge gut einfetten denn das Fett imprägniert auch das Leder sodass Wasser nicht so schnell an die Füße kommt, der Stiefel kann aber weiterhin „atmen“.

Auch Felle brauchen Pflege damit das Leder hier nicht irgendwann einreißt. Hier ebenfalls die Lederseite mit einem Lederöl einreiben. Wichtig! Nicht die Fellseite mit Öl oder Fett behandeln!

Hat man sein Leder bzw. Fell entsprechend gut geölt bzw. gefettet hat man mehrere Ziele erreicht: Das Leder trocknet nicht aus, wird dadurch nicht rissig. Es bleibt geschmeidig und vorallem es ist imprägniert.

Zum Schluss habe ich noch einen Geheimtipp für euch: Solltet ihr gerade beim Packen sein und euch auffallen das eure Felle noch mal dringend eine Lederpflegekur gebrauchen könnten dann könnt ihr auch auf etwas zurück greifen was es so nahezu überall gibt: Fetthaltive Hautcreme. Es sollte nicht die Regel werden, aber im Ausnahmefall kann man mit einer fettenden Hautcreme zumindest eine vorübergehende Pflege des Leders und vermeidet so kurzfristig ein Austrocknen und damit rissig werden des Leders. Eine Imprägnierung des Leders ist so jedoch nicht gegeben.


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