Darüber wurde viel geschrieben und wenn dabei auch recht brauchbares gesagt wurde, so ersetzt dies niemals das reale Erlebnis. Während beim Tisch-Rollenspiel alles im Kopf und mit Figuren und / oder Zeichnungen gemacht wird, kann man beim Live-Rollenspiel alles anfassen. Die Spieler haben für ihren Charakter ein oft aufwendiges Gewand, meist eine Waffenattrappe (= Pompfe / Polsterwaffe), Essausrüstung, Rucksack, Schreibutensilien, Zelt, usw. manchmal sogar ganze Raumausstattungen, wie Bibliotheken, alchemistisches Zubehör oder gar eine Folterkammer.
Manche Veranstalter versuchen den Traum vom Fantasy / Phantastischem zu erzeugen, indem sie Burgen mieten, aufwendige Ausrüstung bauen (Zauberbücher, besondere Artefakte, Magische Waffen, Beholder, eine Festung, Drachen, fliegende Engel, usw.), Pyro-, Licht- und Soundeffekte verwenden, spezielle Szenen aufwendig proben und den Conablauf exakt planen.
Dauer und Kosten
Ein Live Rollenspiel (= Con von Convention) dauert üblicherweise ein Wochenende, manchmal eine ganze Woche, oder nur einen Tag. Die Kosten sind höher als beim Tisch-Rollenspiel, da die Veranstalter ihre Ausgaben (Porto, Ausrüstung, Miete, Verpflegung, usw.) auf die Teilnehmer umlegen. Für ein Wochenende zahlt man meist zwischen € 20,- und € 100, je nach Verpflegung und Gelände. Dazu muss die, oft über 300 km lange Anfahrt, aufgewendet werden. Bei der Ausrüstung benötigt man als Erstausstattung nur ein einfaches Gewand, eine Latex-Waffe und etwas Zubehör für ungefähr € 120,-
Teilnehmer
An einem Con nehmen üblicherweise 40 bis 100 Leute teil - manche Cons spielen auch mit 10 Teilnehmer (MiniCons) andere haben auch schon über 1.000 (England und Amerika), wobei meist nur etwas mehr als die Hälfte als Spieler (SC) bezeichnet wird. Der Rest ist Nichtspieler (NSC), was wie beim Tisch- Rollenspiel bedeutet, dass sie von der Spielleitung (SL) oder vom Plot (= Handlung) gelenkt werden.
Typische NSC- Klassen sind:
Ambiente- NSC, welche kaum den Plot kennen und nur den Realismus durch schönes Spiel und Ausrüstung ergänzen.
Haupt- NSC, welche eine wichtige Rolle im Plot spielen und eine genaue Kenntnis zumindest eines Teils des Plots haben.
Springer- NSC, welche durch Ausrüstung, Schminke oder Masken unterschiedliche Charaktere darstellen.
Klöpper- NSC, welche eigentlich nur zum Kämpfen und sterben da sind.
Die Regeln beim Live- Rollenspiel
Im Live werden wie beim Tischrollenspiel meist Regeln und Charakterbögen verwendet. Allerdings legen die meisten Spieler wenig Wert auf komplizierte Regeln und wünschen sich alles auszuspielen, was auszuspielen geht: Fallen werden (angedeutet) gebaut, Dieben wird mehr oder weniger ausgespielt, Kampf, Feilschen, Lügen, Verstecken, usw. Trotzdem bleiben einige Dinge, die oft nicht simuliert werden können: Magie, Spurenlesen, Fremdsprachen, Gifte, Alter. Die bekanntesten Regelwerke sind wohl DragonSys, Silbermond und That's Live. Manche spielen komplett ohne Regeln und nennen dies Real Fantasy oder "Du Kannst Was Du Kannst" (= DKWDK).
Vorbilder und Abgrenzung
Wie das Tischrollenspiel hat auch das Live ähnliche Vorbilder, die sich in der deutschen Live- Szene recht klar definieren lassen:
Tolkien scheint die Wurzel zu sein, obwohl kaum jemand seine Kreaturen spielt.
Aus AD&D sind die meisten Kreaturen entliehen, manchmal sogar so exotische, wie Beholder oder Rostmonster.
Warhammer scheint seit einiger Zeit Vorbild für Ratten und Warstones zu werden.
Obwohl Vampire- Lives eine gänzlich andere Art Live- Rollenspiel darstellt, entwickelt sich dies zum Bruder des LARP, welches nebenbei gesagt auch Horror (Chuthulu), Detektiv, SciFi (StarTrek) und Humor (Xanth, Fasching) umfasst.
Im Gegensatz dazu ist das Reenactment (= Mittelalter- Szene) der eher ungeliebte und unverstandene Bruder. Trotz häufiger Besuche von Mittelalter- Festivitäten und der Tatsache, dass Liver sich gerne mit deren Material ausstatten, werden sie dort ungern gesehen und oft verhöhnt.
Selten wird unter LARP ein Kostümfest gehandelt, bei dem keine Charaktere existieren, sondern nur über das Thema geredet wird. (Silvester)
Schließlich möchte ich noch Jugger nennen, ein Spiel, welches von einigen SciFi- Filmen inspiriert in Deutschland sogar in mehreren Ligen gespielt wird und im Live gerne als Orkkampf, Barbarenwettstreit, usw. mit wechselnden Regeln angeboten wird.